FAQ: Mitarbeiter

Wer ist mit „Mitarbeiter“ gemeint?

Alle erwachsenen Menschen, die an der Schule angestellt sind.

Warum ist an der NETZWERK-SCHULE häufig von „Mitarbeitern“ und nicht von „Lehrern“ die Rede?

Dafür gibt es mindestens vier Gründe: Erstens sind nicht alle Mitarbeiter an der NETZWERK-SCHULE ausgebildete Lehrer. Wir möchten auch Mitarbeiter mit anderen Berufen einstellen. Zweitens beschränkt sich die Rolle eines Mitarbeiters nicht auf die klassische Lehrerrolle. Mitarbeiter sind für den gesamten Betrieb der Schule verantwortlich, also auch für die Verwaltung und das Management der Schule. Und drittens können auch einzelne Schüler in die Rolle eines Lehrenden schlüpfen, wenn sie beispielsweise einen Kurs anbieten oder anderen Schülern etwas beibringen.

Viertens – und nicht zuletzt – soll mit der Wortwahl Mitarbeiter auch äußerlich sichtbar und deutlich werden, daß deren Verhältnis zu den Schülern sich vom herkömmlichen Lehrer-Schüler-Verhältnis unterscheidet. Mitarbeiter haben zwar mehr Pflichten als Schüler aber sie haben keine Vorrechte und keine Weisungsbefugnis. Sie pflegen eine vertrauensvolle persönliche Beziehung zu den Schülern. Dabei spielen die gegenseitige Akzeptanz und die Transparenz des pädagogischen Handelns eine wichtige Rolle.

Welche Aufgaben haben die Mitarbeiter an der NETZWERK-SCHULE?

Die Mitarbeiter stehen den Schülern zur Verfügung und sind zur Stelle, wenn Schüler ihre Unterstützung suchen: sie hören ihnen zu, beantworten ihre Fragen, erklären ihnen Dinge, unterstützen sie beim Auffinden von Informationen, geben bei Bedarf einen Unterrichtskurs und helfen ihnen, Ressourcen nutzbar zu machen.

Die Rolle der Mitarbeiter in der Schule beschränkt sich jedoch nicht darauf, Lehrende in diesem bzw. im herkömmlichen Sinne zu sein. Sie sind nicht nur da, um Ansprechpartner für ein Fach zu sein, sondern stehen auch mit ihrem sonstigen Wissen, ihrem Wesen und ihrer Erfahrung zur Verfügung. Die Unterschiedlichkeit der einzelnen Mitarbeiter – mit ihren individuellen Interessenschwerpunkten, Verhaltensweisen, Werten, Lebensauffassungen, politischen Überzeugungen, Fähigkeiten und Schwächen – führt zu einer Vielfalt an Lebensentwürfen, an denen sich die Schüler orientieren können.

Die Mitarbeiter kümmern sich darüber hinaus um alles, was zur Aufrechterhaltung des Schulbetriebs erforderlich ist. Gemeinsam mit den Schülern organisieren sie das alltägliche Schulleben.

Gibt es einen Schulleiter?

Ja. Einer der Mitarbeiter wird zum Schulleiter gewählt, der über gesetzlich geregelte und von der Schulversammlung übertragene Kompetenzen verfügt. Er kann in Notfällen ohne Rücksprache mit der Schulversammlung handeln, vorläufige Entscheidungen treffen und Weisungen erteilen. Er vertritt die Schule nach außen und überwacht zugleich die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften. Er ist dem Schulträger gegenüber verantwortlich und muß seine Entscheidungen auch gegenüber der Schulversammlung nachträglich begründen; diese kann seine Entscheidungen ggf. revidieren. Mit dieser Regelung ist die Handlungsfähigkeit der Schule in Krisensituationen sichergestellt.

Wieviele Mitarbeiter hat die NETZWERK-SCHULE?

Zum Start der Schule werden acht Mitarbeiter an der Schule arbeiten. Die meisten von ihnen arbeiten anfangs Teilzeit. Mit Zunahme der Schüleranzahl werden weitere Mitarbeiter eingestellt.

Wer entscheidet über die Einstellung der Mitarbeiter?

Abgesehen von der Gründungsphase der Schule, wird die Schulversammlung über die Einstellung von Mitarbeitern entscheiden.

Wie in einigen anderen Demokratischen Schulen wird damit den Schülern echte Verantwortung übertragen. Der (Aus-)Wahl der Lehrer geht eine Diskussion voraus über die notwendigen Eigenschaften, die neu einzustellende Lehrer/Mitarbeiter aufweisen müssen, z.B. welche Fähigkeiten gegenwärtig im Mitarbeiter-Team unterrepräsentiert, aber wünschenswert sind.

Können Mitarbeiter auch wieder abgewählt werden?

Wir halten es für wünschenswert, dass sich die Mitarbeiter in regelmäßigen Abständen erneut zur Wahl stellen und nur bei einer Wiederwahl weiterbeschäftigt werden. Die meisten Demokratischen Schulen weltweit wenden ein solches Wiederwahlverfahren an und machen sehr gute Erfahrungen damit. Wie wir an der NETZWERK-SCHULE ein solches Wiederwahlverfahren mit den arbeitsrechtlichen Bestimmungen in Deutschland in Einklang bringen können, müssen wir noch klären.

Sollten Kinder nicht lernen, auch mit Mitarbeitern zurechtzukommen, die sie nicht mögen?

Wir sind der Ansicht, dass das Recht auf Bildung erst dann vollständig verwirklicht ist, wenn der Lernende die Möglichkeit hat, sich seine Lehrer selbst auszusuchen bzw. mindestens einen Einfluss auf die Auswahl der Mitarbeiter an seiner Schule hat. Spannungen, Konflikte, Zu- und Abneigungen zwischen den Mitgliedern der Schulgemeinschaft wird es natürlich dennoch geben, so dass genug Erfahrungen mit solchen Situationen gesammelt werden können.

Auch für einen Mitarbeiter ist es auf Dauer unangenehm, einen Arbeitsplatz zu behalten, und dabei zu spüren, dass er nicht erwünscht ist.

Haben die Mitarbeiter nicht ein Anrecht auf Arbeitsplatzsicherheit?

Wir sind der Ansicht, dass die Schule in erster Linie für die Kinder da ist, nicht für die Arbeitsplatzsicherheit der Mitarbeiter. Die Arbeitsplatzsicherheit der Mitarbeiter darf nicht auf Kosten der Kinder gehen. Dennoch herrscht an Demokratischen Schulen keine Hire-and-Fire-Mentalität. Kinder und Jugendliche sind sich ihrer Verantwortung sehr wohl bewußt, wenn sie in den einmal jährlich stattfindenden Mitarbeiter-Wahlen ihre Stimme abgeben. Üblicherweise genießen Mitarbeiter an einer Demokratischen Schule eine hohe Arbeitsplatzsicherheit. Abwahlen finden – wenn überhaupt – meist nach dem ersten Jahr der Einstellung statt, wenn sich herausstellt, dass der betreffende Mitarbeiter nicht zur Kultur der Schule passt. Wir sind davon überzeugt, dass eine solche Lösung für beide Seiten befriedigender ist, als aus überhöhtem Sicherheitsbedürfnis eine Situation aufrechtzuerhalten, mit der sich beide Seiten nicht wohl fühlen.

Führt die Wahl der Mitarbeiter nicht dazu, dass diese sich bei den Schülern einschmeicheln?

Kinder haben ein sehr gutes Gespür für die Echtheit anderer Personen. Mitarbeiter, die sich einschmeicheln wollen, haben schlechtere Chancen auf eine Wiederwahl als offen und transparent agierende, authentische Persönlichkeiten, die durch ihre Leistungen und Fähigkeiten bestechen.

Aber später werden sich die Schüler ihren Chef auch nicht aussuchen können!

Das ist nur zum Teil wahr und der Vergleich eines Arbeitnehmers mit dem eines Schülers hinkt. Jeder erwachsene Mensch hat grundsätzlich die Möglichkeit, sich seinen Arbeitsplatz auszusuchen und ihn gegebenenfalls zu wechseln, auch wenn ökonomische Randbedingungen dem im Einzelfall entgegenstehen. Darüberhinaus erfährt ein Arbeitnehmer durch das Arbeitsrecht einen umfassenden und effektiven Schutz vor ungerechter Behandlung durch den Arbeitgeber. Vor allem aber wird ein Arbeitnehmer für seine Arbeit und die mit ihr verbundenen Arbeitsbedingungen entlohnt. All dies ist in der Schule nicht gegeben.